Auslandsjahr in Japan!

03Aug2018

Hallo mal wieder!

Meinen neuen Blog über mein Studienjahr in Japan 2018/19 findet ihr auf https://merukaru.wordpress.com/ .

和妈妈在大理 - M&M in Dali

08Juni2016

Morgens am 08.05. nahmen wir auch wieder erst Frühstück auf der Terasse des Youthhostels, bevor wir uns von einem Taxi zum Busbahnhof bringen ließen. Dort mussten wir uns erstmal etwas orientieren und vehement alle Taxitanten abwehren, die uns gaaaaaanz billig in Privatbussen nach Dali bringen wollten. Wir etscheiden uns für eine etwas seriösere Variante - ein Ticket für einen normalen Reisebus.

和妈妈在昆明 - Mama und Merle in Kunming

01Juni2016

Jetzt ist schon fast wieder ein ganzer Monat vorbei und ich habe noch gar nicht über meine kleine Reise durch Yunnan mit Mama berichtet! Das wird jetzt aber schleunigst nachgeholt, wir haben nämlich viel erlebt. Erstmal mussten wir uns allerdings finden...

Am 06.05. 2016 setzte ich mir meinen Trekkingrucksack auf und fuhr mit dem Reisebus zum Flughafen um Mama abzuholen. Geduldig wartete ich am Ausgang für Inlandstransferpassagiere auf Mamas Erscheinen und freute mich, dass alles so schön geklappt hatte. Mir war nur leider nicht bewusst, dass es zwei Ausgänge gab, was wir erst auffiel, als ich schon fast eine Stunde auf Mama wartete. Die war natürlich prompt aus dem anderen Ausgang herausspaziert und wunderte sich ebenfalls wo ich denn war. Und wir beiden Schnapsnasen haben natürlich nicht daran gedacht so etwas Praktisches wie einen Treffpunkt auszumachen!

Da war es nur ein Glück, dass Mama ihre schöne quietschorangene Jacke anhatte, die ich quer durch die Ankunftshalle erspähte und so doch noch zu Mama fand... Ich befürchte wir haben so einige der anwesenden Chinesen durch wilde Umarmungen verstört!

Die ersten zwei Nächte verbrachten wir in Kunming im "The Hump Hostel". Dieses Hostel war super gelegen - mitten in der Innenstadt, in Laufnähe zu allen wichtigen Orten, chinesisch-rustikal eingerichtet und weitestgehend englischsprachig. Sehr empfehlenswert! Nach kurzem Päuschen machten wir uns dann gleich noch zu einem Spätnachmittags-/Abendspaziergang durch die Innenstadt auf und stießen auf einen Teil der Altstadt, in dem an der Straße Dinge verkauft wurden. Da bekam Mama gleich einen sehr chinesischen ersten Eindruck.

Zum Abendbrot kehrten wir in einem Nudelladen ein und sahen uns später auf der Terasse des Hostels den Sonnenuntergang über dem Jin Ma Bi Ji Square an.

Den nächsten Morgen starteten wir wieder auf der Terasse, diesmal allerdings mit Toast und Kaffe (Mama), Grüntee und Jiaozi (Merle). Derart gestärkt beschlossen wir uns zu Fuß zum Jadegrünen Seepark aufzumachen - wer braucht denn schon Busse?

Der Fußweg dauerte ja auch nur etwa eine halbe Stunde, Berg hoch, Berg runter und dann waren wir auch schon da. Der ganze Park war voll mit Stiefmütterchen, Seerosen, Goldfischen, kleinen Pagoden und Großeltern mit Enkeln. Außerdem waren überall große, dichte Bäume (unter anderem blühende Mimosenbäume!) sodass unser kleiner Spaziergang im Park wirklich angenehm kühl wurde...in der Stadt herrschte ja gerade hochsommerliche Hitze. Zu dieser Idylle trugen auch einige Senioren bei, die auf traditionellen Streich- und Blasinstrumenten traditionellen Lärm veranstalteten und dabei des Öfteren von enthusiastisch Volklieder trällernden Ömchen begleitet wurden.

Als nächstes ging es für uns in den Yuan Tong Tempel, den größten buddhistischen Tempel in Kunming, und bestimmt auch einer der schönsten. Im Wassergraben um den Tempel im Zentrum der Anlage planschten Schildkröten und Goldfische herum und wurden von kleinen chinesischen Kindern mit Kuchen gefüttert. Perfekte Nahrung also. Mama und ich beobachteten im Schatten von einem Baum ein wenig die betenden Leute und brachen dann wieder auf.

In einem Miniladen aßen wir Reisnudeln, aber diese waren leider nicht ganz so lecker wie gehofft. Dafür kauften wir in einem Obstladen eine Mango ("Die sind hier ja wirklich gelb!") und machten uns auf zu "The Loft".

Das sollte eigentlich eine sehr kulturell wertvolle Ansammlung von Künstlern und Cafes auf dem Gelände einer ehemaligen Industrieanlage sein und lag westlich von unserem Hostel. Auf dem Weg dorthin fanden wir doch noch einen kleinen Park mit einer Terasse auf einem kleinen Berg. Dort oben setzten wir uns auf die Bänke, ließen uns vom Wind umwehen und machtenein bisschen Pause.

"The Loft" hielt nicht was es versprach. Die Cafes waren zu, Künstleraustellungen konnten nicht gefunden werden, zwar machten in einem Gebäude ein paar Frauen Yoga, aber ansonsten lag dort der Hund begraben. Schade. Auch das Yunnan Volksmuseum war nicht mehr da wo es laut Reiseführer zu sein hatte - nämlich sonstwo am anderen Ende der Stadt.

Wir latschten also zurück uns aßen auf einem Platz unsere Mango, was eine ziemlich klebrig-flutschige Angelegenheit war. Dabei wurden wir auch noch von einem jungen Chinesen gestalkt, der sobald wir fertig waren (wenigstens hat er gewartet!) anfing Fotos von uns zu machen. Als ich ihn auf chinesisch fragte was er denn da bitteschön tuen würde erklärte er er sei vom Rundfunk (Nee, ist klar) und war total begeistert, dass ich Chinesisch sprach. Ich glaube er merkte gar nicht, dass Mama das nicht tat, er war viel zu Aufgeregt seine, ich zitiere, "allerersten Ausländerfreunde die Chinesisch sprechen" getroffen zu haben. Dann frgate er mich nach unseren Handynummern und Wechatadressen. Da wir den guten Kerl erst von 3 Minuten kennengelernt hatten und wir nicht unbedingt noch mehr Selfies mit ihm machen wollten, stellten wir uns dumm (Wechat? Was ist das? Nein, das kenne ich nicht!) und mussten gaaaaanz dringend noch was erledigen.

Abends gingen wir nochmal durch die kleinen alten Gassen und kehrten in einem Restaurant ein, wo ich das erste Mal selbst bestellte. Also so richtig bestellen, nicht einfach nur eine Schüssel Rindernudeln oder einen Teller Bratreis. Das Essen war wirklich ziemlich lecker und ich stellte fest, dass Mama genau die Sachen am besten fand, die ich auch immer am liebsten mag. Wie praktisch!               

   

 

快要回国了 - Bald geht's zurück!

04Mai2016

Meine Zeit in China neigt sich dem Ende zu. Am Freitag hole ich Mama in Kunming am Flughafen ab und zu zweit werden wir noch ein wenig Yunnan bereisen bevor es nächste Woche Samstag endgültig zurück nach Deutschland geht. Dementsprechen ist morgen ist mein letzter normaler Tag hier, der letzte Tag in meiner kleinen Wohnung im Wohnheim und der letzte Unterrichtstag in China. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen nicht jeden Tag Chinesisch zu haben!

Kaum zu glauben, dass ich, als ich nach China gekommen bin kaum ein Wort Chinesisch sprechen konnte und absolut nicht verstanden habe. Das hat dann der Chinesischunterricht hier schnell geändert...

Zum Glück konnten Jannik und ich als wir ankamen schon die Betonungen und die Aussprache vom Pinyin (also der Umschrift in lateinische Buchstaben), sodass wir mit Frau Wang im Comprehensive-Kurs, bzw. im Hauptunterricht, sofort durchstarten konnten: Zweimal drei Stunden pro Woche, in jeder Unterrichtssequenz zwei Kapitel. Im ganzen Halbjahr dann schlussendlich drei Chinesischbücher. Also...drei Comprehensive-Bücher. Dazu kamen dann noch zwei Gesprochene-Sprache-Bücher und eins für den Hörverstehensunterricht. Rekordgeschwindigkeit! Zugegebener Maßen haben wir uns auch regelmäßig über das Tempo beschwert (und darüber, dass die Lehrer gerne mal eine halbe Stunde zu spät kamen und dann 1 1/2 Stunden Pause machten), aber im Endeffekt müssen wir beide zugeben, dass besonders Frau Wang und ihre militanten Unterrichtsmethoden (über diese kann man sich echt streiten...aber sie haben gewirkt!) dazu geführt haben, dass wir uns nach einem halben Jahr schon ganz gut im Chinesischen zurecht fanden.

Nach den Winterferien waren wir dann auch keine Anfänger mehr sondern stiegen in den mittleren Kurs mit ein, wo sich schnell herausstellte, dass dieser für uns eigentlich zu langsam ist. (Dank Frau Wang, die uns regelrecht gedrillt hat und jede Stunde ein Diktat veranstaltet hat. Anscheinend ist das aber genau ihr Job an der Fakultät: Ausländern so schnell wie möglich Chinesisch rein zu prügeln.) Aber da wir nicht mehr nur zu zweit sind können wir dagegen auch nichts machen. Für mich ist das jetzt ja auch egal...ich bin dann mal weg!

Knapp 9 Monate, 7 Chinesischbücher und 2500 Vokabeln später sind wir also auf HSK 4 Niveau gelandet. HSK steht für Hanyu Shuiping Kaoshi, was ein Chinesischsprachtest ist, und 4 ist die Niveauangabe. 1 ist das Niedrigste und bedeutet "Anfänger", 6 das Höchste und bedeutet "Wie ein Muttersprachler". HSK 4 (entspricht übrigens B2 um das mal in der Sprache des Europäischen Referenzrahmens für Fremdsprachen auszudrücken) bedeutet ohne große Probleme Unterhaltungen mit Muttersprachlern über alltägliche oder relativ bekannte Themen führen zu können, und dass können wir auch. Vielleicht nicht in perfekter Grammatik, die Betonung ist definitiv nicht immer korrekt, und natürlich fehlen oft mal irgendwelche Vokablen (vor allem wenn man in sehr fachspezifische Gebiete abdriftet) aber wir kommen gut durch!

Ich hoffe nur, dass ich das in Deutschland nicht alles wieder vergesse!

Jetzt geht es aber erstmal mit Mama zusammen ein bisschen auf Reisen, darauf freue ich mich schon sehr! Endlich kann ich mal mein geliebtes Yunnan in echt präsentieren, nicht wie sonst auf der Kamera, und mein Auslandsdreivierteljahr nett zuende gehen lassen. Über unsere gemeinsame Reise werde ich bestimmt von Deutschland aus noch berichten, aber für die nächste Woche wird der Laptop erstmal im Koffer versenkt!

Bis dann!

 

食堂的菜 - Mensaessen

30April2016

Hier mal ein kleiner Einblickin die Mensa unserer Uni:

Als erstes einmal normales Essen aus dem ersten Stock, wo jeder erst zur Reisausgabe geht und für ein paar Cent eine Schüssel Reis bekommt und sich danach ebenfalls für ein Cent an einer riesigen Theke Essen zusammensuchen kann.

Morgens gibht es dort auch Reisnudeln oder Baozi (Hier ein Foto von Baozi)!

Im zweiten Stock gibt es das gleiche Prinzip, aber andere Auswahl.

Aber der dritte Stock ist besonders! Wo normalerweise die Theke ist sind viele kleine Restaurantküchenartige Buden wo man sich Nudeln, Reisgerichte, Feuertopf und sogar Milchtee holen kann...eher so als würde man ins Restaurant gehen.

 

Lecker!!!

Dafür ist das Essen im dritten Stock natürlich auch ein bisschen teurer, manchmal sogar umgerechnet ganze 2€!!! Eigentlich unvertretbar...tongue-out

...ich fürchte ich muss mich in Deutschland erst wieder an die Lebesmittelpreise gewöhnen, für die 3,50€ für die man in der Schillerschule einen Teller Nudeln bekommen hat könnte ich mich hier zwei Tage lang morgens, mittags und abends sattessen!

公交车 - Busse...

27April2016

Ich bin noch nie in meinem Leben so viel Bus gefahren wie hier. Im letzten Semester waren es 5 mal die Woche 2 Fahrten pro Tag,  von einer Endstation zur anderen. Uni zur Mittelschule. 25 - 60 Minuten.

Moment...25 - 60 Minuten? Kann das denn hinkommen?

Ja, in Yuxi geht das durchaus...Busfahren ist hier eher ein Erlebnis der besonderen Art:

Die Busse sind relativ klein und klapprig. Je weiter sie ins Umland fahren, umso kaputter und spärlich ausgestatteter sind sie. Wo im Stadtbereich weder Türen und Fenster richtig schließen, noch die Sitze heile sind, sind im ländlichen Bereich die Busse mit Bänken aus mit Zeitungspapier und Klebeband umwickelten, auf Bierkisten ruhenden Brettern ausgestattet...teilweise ohne Fenster. Dementsprechend ruckelt es auch bei der Fahrt, aber daran gewöhnt man sich.

In Yuxi gibt es generell keine festen Abfahrtszeiten für die Busse. (Deshalb sind wir tagtäglich eine Stunde vor Unterrichtsbeginn an der Mittelstunde aufgebrochen...man weiß ja nie). Man wartet einfach so lange an der Haltestelle bis der gewünschte Bus vorbeikommt und steigt dann ein. An den Haltestellen kann es auch mal passieren, dass man danach noch 20 Minuten im Bus sitzt und auf die Abfahrt wartet...denn der Busfahrer fährt meistens erst los wenn schon eine handvoll Leute eingestiegen ist. In der Wartezeit kann man dann den Busfahrer dabei beobachten wie er auf dem Bänkchen der Haltestelle liegend Candycrush auf seinem Handy spielt. Eigentlich haben die Busfahrer einen Zeitplan...aber wer hält sich denn schon an Pläne?!

Dadurch kann es auch schonmal passieren, dass plötzlich zwei Busse der gleichen Linie nebeneinander fahren, was ja nicht wirklich sinnvoll ist. In so einer Situation wird das Fenster runtergekurbelt, Busfahrer 1 beratschlagt schreiend mit Busfahrer 2, und lässt an der nächsten Ampel alle Fahrgäste die nicht zur Endstation wollen über die Sraße, zwischen den wartenden Autos hindurch in den anderen Bus klettern. Dann fährt er einfach bis zur Endstation durch.

Busfahrer bekommen natürlich auch mal Hunger. Da ist es ja auch völlig normal und verständlich den mit Fahrgästen gefüllten Bus für zehn Minuten an der Haltestelle zu parken um sich im nächsten Restaurant Essen zu holen.

Manchmal wird auch kurzerhand am Straßenrand (ohne Haltestelle) gestoppt um Familienmitglieder des Busfahrers aufzusammeln.

Busfahrer sind außerdem reine Kamikazefahrer: U-Turns werden rasant und ohne zu Bremsen durchgeführt, sodass der Bus haarscharf an Bäumen, parkenden Autos und Omas vorbeirauscht, bergab wird der Fuß vom Gas genommen und man lässt sich einfach rollen, an Autos, Fahrräder und Motorroller  wird bis auf 30 cm herangefahren und Vollbremsungen sind nahezu die einzige Art der Bremsung.

Letztens erst durfte ich deshalb einem Busunfall beiwohnen. Ein Auto ist seitlich in den Bus reingerammt. Und der Bus war dann kaputt und konnte nicht weiterfahren. Während wir also im Bus warteten schrien sich draußen der Busfahrer und der Autofahrer und der Verkehrspolizist an...und wurden dabei von den chinesischen Studentinnen gefilmt. Kurzerhand rief der Busfahrer seinen Kollegen an, der mit einem zweiten Bus angefahren kam um uns Fahrgäste aufzusammeln. Dafür mussten wir dann natürlich kein Geld bezahlen. Auch mal interessant!

Insgesamt schreien und rauchen Busfahrer ziemlich viel, was sie für nicht chinesisch sprechende Fahrgäste vermutlich ziemlich jähzörnig und böse wirken lässt (also, das Geschrei natürlich), aber eigentlich sind die meisten Busfahrer sehr lieb und helfen einem gerne weiter an der richtigen Haltestelle auszusteigen, den richtigen Bus zu finden oder die Nationalität von gewissen blonden Fahrgästen zu klären. "OH! Ausländer! Wo kommen die denn her?" "Ja, das sind die Deutschen, die fahren immer bis zur Haltestelle der ersten Mittelschule!"

Stau ist auch so eine Sache. Wenn man in den Feierabendverkehr gerät, kann es schonmal passieren, dass man 60 Minuten lang im Bus sitzt. Um diese Zeit sind logischerweise auch die meisten Leute unterwegs - vor allem jeeeeeeede Menge Renter, die auf dem Markt zum Einkaufen waren und Studenten, die in die Stadt wollen. Dann passiert es schnell, dass man halb erstickt zwischen fremden (und oft aufgrund mangelnder Deonutzung etwas müffelnden) Leuten, toten Hühnern und Riesenrüben hängt - und wenn ich sage hängen, dann meine ich auch hängen - so dicht, dass man sich nicht festhalten braucht, weil man sowieso keinen Platz zum Umfallen hat. Dazu haben diverse alte Herrschaften die Angewohnheit sich energisch in einen reinzulehnen, sodass man plötzlich zusätzlich zu sich selbst auch noch mindestens eine Oma in der Senkrechten hält! Und dass ist ganz schön schwer, wenn man selbst keine Stange zum Festhalten erreicht.

Selbst wenn der Bus schon brechend voll ist können noch Leute einsteigen, dann aber nicht mehr wie normalerweise von vorne, sondern durch die Hintertür, nachdem man das Geld durchs Fenster oder über andere Fahrgäste zum Busfahrer durchgibt. Zu Not steht man auf der Türstufe wo man eigentlich nicht stehen darf. Und es wird noch enger.

Man kann dann froh sein wenn der Mensch neben einem nicht krank ist und einem die ganze Zeit in den Nacken niest. Oder in den Bus kotzt. Das ist in meinem Beisein schon dreimal passiert. Schöööön! Und dann gibt es noch die Pappnasen, die auf ihren Handys Spiele in voller Lautstärke spielen, Kinder die unermüdlich rumhopsen und schreien, Leute die zusätzlich zum Busradio ihr eigenes Kofferradio anmachen und voll aufdrehen und Rentner die bei Telefonieren und unterhalten so dermaßen laut schreien, dass man selbst kein normales Gespräch mehr führen kann, dafür aber alles über die Frau vom alten Herrn Wang erfährt oder über das frisch gekaufte Suppenhuhn. Oder - in meinem Fall - nur grobe Teile davon, da das ganze natürlich im schönsten und tiefsten Dialekt stattfindet.

So eine Stunde lang Bus zu fahren ist wirklich...eine Erfahrung. Puh!

Wenn allerdings gerade keine Stoßzeit ist, geht die Fahrt wirklich schnell rum (wo kein Mensch an der Haltestelle wartet wird auch einfach nicht angehalten, Fahrgäste werden gefragt ob sie raus wollen) und man ist innerhalb von 25 Minuten an der anderen Endstation. So schnell kanns gehen!

Trotz all dem Ärger, dem man potenziell begegnen kann fährt man aber trotzdem hauptsächlich Bus. 1 Yuan (15 ct) pro Fahrt ist einfach unschlagbar!!

 

 

 

 

宋干节 - Songkran (Nochmal Neujahr!)

12April2016

Gestern, am 11.04., haben wir schon wieder Neujahr gefeiert.

Wie schon erwähnt feiern wir hier wegen der großen Anzahl thailändische Auslandstudenten und Thailändischstudenten öfters mal thailändische Feste, und gestern war Songkran, das thailändische Neujahrsfest, fällig.

Zur Vorbereitung wurden alle Auslandsstudenten gebeten etwas Essen vorzubereiten, damit die ca 200 Teilnehmer beim Feiern nicht verhungern mussten und daher trafen wir uns alle am Sonntag morgen bei Walmart zum einkaufen. Da die Uni bezahlte hielt sich beim Einkaufen niemand zurück...und die Angelegenheit artete etwas aus. So beschlossen wir zum Beispiel spontan, dass Schokolade und Karamellsoße wichtigste Bestandteile eines thailändischen Fleischgerichtes sind...das fiel dann auf dem riesigen Bon auch gar nicht mehr auf...

Irgendwie verfrachteten wir zusammen dem Inhalt von fast 10 vollen Einkaufswagen durch Treppenhäuser und Seitenstraßen in die Kofferäume der Lehrer, die unsere Essensberge zurück zur Uni kutschierten. Dort begann dann auch sogleich die Vorbereitung des Essens.

Da Jannik und ich nur einen Obstsalat machen wollten - für deutscheres Essen fehlten uns einfach die Zutaten und Lokalitäten - und man einen Obstsalat ja eher nicht am Vortag zubereitet, half ich lieber erstmal den Thailändern beim Gemüseschnippeln. In deren Wohnheimzimmer auf dem Boden sitzend und Musik hörend schälten wir Knoblauch, schnitten Zwiebeln, klopften Fleisch, pressten Limetten, achtelten Tomaten und hackten Koriander. Den Boden konnte man vor lauter Grünzeug kaum sehen. Später grillten sie dann das fertig marinierte Fleisch im Hausflur, was so gut roch, dass ich und meine Freundinnen alle zehn Minuten um die Ecke guckten um um Fleisch zu betteln. Eine Kohlenstoffdioxidvergiftung bekamen wir zum Glück nicht, unser Treppenhaus ist nämlich offen.

Am nächsten Morgen trafen sich erstmal alle Auslandsstudenten (99% + Merle und Jannik), Chinesischen Thaistudenten und Lehrer vor unserem Lehrgebäude. Dort war schon alles (genauso wie beim Wasserlaternenfest) mit Girlanden und Chinesischen Knoten verziert und der Bereich war abgesperrt. Um reinzukommen musste man an einem Kommitee aus Studentinnen in traditioneller thailändischer Kleidung vorbei, die knicksten, die Hände zusammenlegten, sich halb verbeugten und enthusiastisch Sewateekaa! riefen. Bei jeder einzelnen Person. Jannik und ich blieben, uns etwas fehl am Platz fühlend, erstmal außen vor.Schlussendlich beschlossen wir einfach über das Polizeiband zu klettern. Wahre Rebellen!

Um die letzten Vorberreitungen nicht zu stören stellten wir uns einfach irgendwo zur Seite und warteten...wo wir von einem der Chinesischlehrer entdeckt wurden. Ich kenne seinen Chinesischen Namen nicht, aber er nennt sich selbst gerne "Kevin" und ist der absoluten und unerschütterlichen Meinung Jannik und ich seien sozial abgekapselt, hätten keine Freunde und würden den ganzen Tag nur zusammen rumhängen und auf Deutsch reden. Geeeeeenau. Er begrüßte uns also freundlich mit den Worten: "Hey, habt ihr mittlerweile Freunde? Steht doch nciht so an der Seite. Redet doch Chinesisch!" Unsere Einwände, dass wir sehr wohl Freunde hätten, nicht stören wollten und als zwei deutsche natürlich auf deutsch reden würden, weil alles andere ja echt etwas affig sei, ignorierte er wie auch die letzten 7 Monate zuvor. Er gesellte sich aber zu uns um uns gnädigerweise Gesellschaft zu leisten, was er auch allen Menschen sagte, die ihn baten sich zu den anderen Lehrern zu gesellen. "Nein, ich leiste den zwei Deutschen hier Gesellschaft! Sie haben keine Freunde!" Außerdem betrieb er dann Smalltalk mit uns, was mittlerweile schon ganz gut funktionierte, trotz seiner Sprechlichtgeschwindigkeit und starken Sonstwoakzentes.

Die eigentliche Zeremonie begann damit, dass alle Lehrer in zwei langen sich zugerichteten Stuhlreihen hinsetzten. Zwischen diesen war ein roter Teppich ausgebreitet. Und die ganzen Thais krochen dann auf Knien diese Reihen entlang und begossen die Hände jedes einzelnen Lehrers mit etwas Wasser um ihnen Respekt zu erweisen. (In Thailand sind das meistens die Eltern und Großeltern, aber diese waren ja dieses Mal nun nicht anwesend.)

Danach gingen wir zurück zum Wohnheim um etwas zu essen, unseren Obstsalat zu schnippeln und alle Gerichte wieder zur Feststelle zu bringen. Und dort saßen wir dann erstmal fast eine Stunde im Schatten und warteten auf die Buffeteröffnung. Und futterten schonmal ein bisschen Obstsalat. Es stellte sich heraus, dass das Buffet auch eingentlich kein echtes Buffet war sondern mehr eine Art Essensausgabe...eine Herangehensweise, die bei 200+ Besuchern auch durchaus sinnvoll ist. Man konnte sich also überall Essen auf Pappteller auftuen lassen, scharfes Fleisch, süße frittiere Eier, frittierte Pilze, süßsaure Soße und Klebreis von den Thailändern, Jiaozi (die Teigtaschen) von den Chinesen...und halt Obstsalat. Der kam erstaunlich gut an! Hätte ich bei dem ganzen Thaiessen echt nicht gedacht.

Nach dem Essen räumten wir Überreste, Uhren, Handys und überflüssige Kleidungsstücke aus der Gefahrenzone und füllten riesige Plastikfässer mit Wasser für den Hauptteil unseres Songkran Festes. Die WASSERSCHLACHT!

Alle bewaffneten sich mit Wasser und Babypuder um nasse Leute weiß zu färben und machten sich gegenseitig nass! Zum Glück war das Wetter heiß genug, sodass wir nicht erfroren. Eine Stunde hyperaktives Herumgerenne, Geschreie und Gespritze später hätte man uns wie Waschlappen auswringen können, so durchgeweicht waren wir da. Und an dem Punkt wurde es dann auch langsam etwas kühl...aber wir waren ja noch nicht fertig! Es gab noch einen Schönheitswettbewerb!

 Vier in thailändische Gewänder gewickelte und mit Makeup verzierte Schönheiten reihten sich vor einem Jurypult auf. Eine nach der anderen musste zu sehr unthailändischer Lady-Gaga-Musik den immernoch vorhandenen roten Teppich entlanglaufen und vor den Juroren (aka den noch etwas feuchten Lehrern) knicksen. In der zweiten Runde mussten sie, als Thailändischstudenten, eine auf Thai gestellte Frage beantworten. Jannik und ich verstanden natürlich nichts, es stellte sich aber heraus, dass die Thailänder (also die echten), selbst bei 3 von 4 Kandidatinnen auch nur das wenigste verstehen konnten, die Armen waren wohl viel zu aufgeregt. Schlussendlich bekam die Gewinnerin eine ansolut kitschige Glitzerkerze in die Hand gedrückt und das Fest war zuende. Kalt und nass und gepudert wie wir waren suchten wir und unsere thailändischen Mitauslandsstudenten so schnell wie möglich unseren Kram zusammen und machten uns vom Acker um endlich zu duschen.

Wenn das thailändische Neujahr schon an einer kleinen Fakultät in China so lustig ist, wie muss es dann erst in Thailand selbst sein? Kein Wunder, dass unsere Klassenkameradinnen gerade lieber zu Hause in Thailand wären...

 

外国人! - Was der Ausländer nicht weiß!

27März2016

Ich befürchte wir wurden in China schon oft übers Ohr gehauen, vor allem als wir gerade erst angekommen waren und noch kein Chinesisch konnten. Es ist definitiv keine Seltenheit in China, dass für unwissende Ausländer mal eben schnell die Restaurantpreise erhöht werden. Oder halt der Preis für eine Taxifahrt wie letzten Freitag. Nur sind wir ja aber schon etwas länger hier in China, deshalb haben wir uns dieses Mal auch nicht so einfach veräppeln lassen:

Als wir ins Taxi geklettert waren und dem Fahrer die Adresse genannt hatten, nickte er und sagte: "15 Yuan, okay?" Normalerweise erhöhen sich die Preise aber erst ab 22 Uhr, so spät war es noch nicht, und der Ort war nicht weit entfernt, deshalb sagten wir zu ihm wir würden lieber das Taxameter (heißt das so?) nutzen. Das fand er aber nicht so gut und versuchte uns davon zu überzeugen, dass das dann aber viel teuer wäre. Leider glaubten wir ihm das aber nicht und meinten, dass die Fahrt sowieso nur etwa 10 Yuan kosten würde und beharrten auf eine Taxameternutzung. Da hatte er keine andere Möglichkeit als das Ding anzuschalten...aber er war noch nicht fertig! "Das macht trotzdem 15 Yuan! 5 Yuan sind Fahrgebüren." Was denn für Fahrgebüren bitte?! Jaaa, erklärte er, dass seien Extragebühren weil er noch nie bei der Adresse war. Solche Gebühren gibt es aber nie! Und das sagte ich ihm auch. Er wollte daraufhin verhandeln: "Okayokayokay, 12 Yuan!" Jannik hatte an diesem Punkt genug von ihm und sagte dem Taxifahrer, dass es ja wohl nicht anginge, dass er uns übers Ohr hauen wolle nur weil wir Ausländer seien! Der Taxifahrer war  höchst entrüstet und beschwerte sich, dass das ja gar nicht daran läge und er ja nur ein armer Taxifahrer sei und sonst nur 10 Yuan verdienen würde und wir ihm doch jetzt bitteschön 12 Yuan geben sollten.

Taten wir aber natürlich nicht. Wir gaben ihm 10 Yuan wie auf dem Taxameter angezeigt und er rief uns zum Abschied "Wie kann man nur so geizig sein!" hinterher.

Was für ein herzerfrischender Geselle!

 

外国人! - Was der Ausländer nicht kann!

24März2016

Am Donnerstagabend im Klassenzimmer nach dem Unterricht.

Schülerin (9. Klasse): Kann ich dir ein paar Fragen stellen?

Ich: Ja, natürlich!

Sie: Wie lange lebst du schon in China?

Ich: Schon 7 Monate.

Sie: Und hast du dich schon an das chinesische Essen gewöhnt? Kannst du das essen?

Ich: Ja natürlich, ich finde chinesisches Essen seeeehr lecker!

Sie (höchst erstaunt): Aber das ist doch scharf!

Ich: Ja, aber ich mag scharfes Essen!

Sie (noch erstaunter): Aber du bist doch DEUTSCHE!!! ... Kannst du auch schon ein bisschen Chinesisch?

Ich: Aber natürlich, wir haben schon 7 Monate Unterricht.

Sie: Welche Wörter kannst du sagen?

Ich (etwas perplex): ... wie jetzt, welche Wörter?

Sie: Ja, welche Wörter! Sag sie mir mal!

Ich (ungläubig): Alle?!

Sie: Ja, bitte!

Ich:...Ich lerne schon monatelang Chinesisch und kenne ca 2000 Wörter, ich glaube nicht, dass ich dir ALLE Wörter aufzählen kann...

Sie: Aber ... kannst du schon "Hallo" auf chinesisch sagen??

Ich (nicht sicher ob das jetzt wirklich ihr Ernst ist): ... Ni hao.

Sie (absolut beeindruckt, begeistert in die Hände klatschend): WOW!

Ich (sprachlos): ...

...

 但是我觉得 "你好" 真的是中文的最容易的词。还有,我在中国生活了七个月了,我当然会说汉语一点。虽然我汉语水平还不太高,但是我会跟中国人聊天。而我快要考汉语水平考试四级了!

Sie (ungläubig, als wäre es die abwegigste und erstaunlichste Sache der Welt, dass ich tatsächlich Chinesisch spreche) : Wow! Du kannst ja sogar mehr!!!

... Aber kannst du schon mit Stäbchen essen?

 

Solche Gespräche hinterlassen mich regelmäßig sprachlos. Und sie sind kein Einzelfall! Genau das gleiche Gespräch hatte ich schon öfter mit Freunden, Schülern, Studenten, Deutschlehrern und Ladenbesitzern in unterschiedlichen Varianten. Egal ob Chinesischkenntnisse, perfekte Stäbchenführung oder der Konsum von scharfem Essen, man ist ungläubig, perplex, fällt fast in Ohnmacht vor Überraschung oder versucht uns in ruhigem Tonfall beizubringen, das uns diese Dinge als Ausländer nicht möglich sein sollten.

Grund dafür ist etwas, was ich jetzt einfach mal so erklären will, wie ich es tagtäglich erlebe:

1. Die Sprache

Vorstellung mancher Chinesen: Chinesisch ist die schwerste Sprache der Welt und für Ausländer unmöglich zu erlernen. Auch wenn man 7 Monate in China gelebt hat kann man natürlich kein Wort Chinesisch sprechen (außer vielleicht Nihao). Und selbst wenn sie ein bisschen sprechen können...lesen werden sie nie! Und wenn der Ausländer etwas sagt, dann ist es natürlich 100% auswendig gelernt.

Schüler den wir seit Jahren kennen: Ich habe deine Frage nicht verstanden.

Jannik: -Wiederholt die Frage auf Chinesisch.-

Schüler: Wo hat du denn DIESEN Satz gelernt?!

Wir: ...

Das führt dazu, dass sich Chinesen (im Bus oder in der Mensa, oder so) oft laut über uns unterhalten, ob gute oder schlechte Dinge - Während wir direkt daneben sitzen.

Außerdem passiert es öfter wenn wir Leute ansprechen, dass diese denken wir könnten kein Chinesisch (weil wir ja Ausländer sind) und deshalb auch gerade gar kein Chinesisch mit ihnen sprechen. Wenn wir also im schönsten und verständlichsten Chinesisch fragen wie wir zum Kino kommen, oder wie teuer die Bananen sind, schütteln öfters Leute mit dem Kopf und sagen "I don't speak English!"

Das beste ist allerdings noch wenn wir erst mit ihnen fünf Minuten auf Chinesisch ein Gespräch führen...und sie DANN sagen, dass sie kein Englisch können.  ...Was soll man dazu sagen?

 

Realität: Ja, natürlich ist Chinesisch schwer, hat eine komplizierte Schrift und verwirrende Betonungen. Allerdings hat jede Sprache Schwierigkeiten und eher einfache Aspekte, Chinesisch ist da keine Ausnahme. Wenn man 7 Monate in China gelebt hat und Sprachunterricht nimmt, ist es also gar nicht so furchtbar abwegig, dass man doch ein paar Sätze Chinesisch sprechen kann.

Und während die Leute im Bus also Gespräche über uns führen hören wir zu und lachen uns kaputt!

 

2. Das Essen

Vorstellung mancher Chinesen: Mit Stäbchen zu essen ist eine große, ehrwürdige Kunst, die nur den Ostasiaten zu eigen ist. Wer nicht im Kindesalter anfängt mit Stäbchen zu essen wird es niemals erlernen. Scharfes Essen kann kein Europäer essen, an das chinesische Essen können sie sich nicht gewöhnen. Hierzu noch ein Dialog:

Typ: Wow, du kannst ja mit Stäbchen essen!

Ich: Ja, das ist doch nicht schwer!

Typ: Doch doch, das ist seeeehr schwer, Ausländer können das eigentlich nicht!

...Warum isst du nicht wie ein Baby?

Ich: Wie bitte?

Typ: Ja, du lernst ja gerade mit Stäbchen zu essen und Babies in China halten dann die Stäbchen in einer Faust, und manchmal in jeder Hand eins!

Ich: ...

Typ: Wirklich, du machst das gaaanz tooooooll!

 

Realität: Klar ist es am Anfang nicht ganz leicht mit Stäbchen zu essen, aber nach einer Zeit gewöhnt man sich dran und Stäbchen stellen kein Problem mehr da. Ich finde es da fast komplizierter mit Messer, Gabel und Löffel zu essen, das ganze in korrekter deutscher Tischmanier. Man fühlt sich also, so ehrlich das Lob auch ist, etwas veräppelt wenn man für seine Stäbchenhaltung gepriesen wird oder einem gesagt wird, dass es ja ganz super ist, dass man nicht wie ein Baby isst.

Besonders von Leuten die einen kennen!

 

Ich meine, ich verstehe es ja! Manche der Personengruppen die ich hier miteinbezogen habe (aka Fahrgäste oder Ladenbesitzer) kennen uns nicht und können natürlich nicht wissen ob wir nicht nur amerikanisch Reisende (die Standardvermutung) sind, die das erste Mal in China sind und kein Wort Chinesisch können. Und es ist natürlich nett von ihnen unsere Stäbchenkünste so voller Ungläubigkeit und Bewunderung zu loben. Keine Frage! Da kann ich es auch nachvollziehen, dass sie davon ausgehen, dass wir sie nicht verstehen können wenn sie über uns reden.

 Allerdings können sie logisch gesehen auch nicht das Gegenteil ausschließen - wir sind seit Jahren hier und sprechen fließend Chinesisch, was ja, als vorsichtiger Mensch, die erste Vermutung wäre um nicht plötzlich laut über fremde Menschen in deren Anwesenheit zu reden. Ich meine, in Deutschland würde ich auch davon ausgehen, dass der Chinese neben mir Deutsch spricht und höchst warscheinlich auch in Deutschland lebt, selbst wenn er gerade mit seinem ebenfalls chinesischen Freund auf chinesisch redet. Ich würde deshalb nicht lautstark in Hörweite ein Gespräch über sein Aussehen führen.

Ebenfalls würde ich keinen Asiaten, der seit 7 Monaten in Deutschland ist und perfekt mit Messer und Gabel isst fragen, ob er eine Schüssel Reis und Stäbchen braucht.

Wie auch immer, ich kann diese Erwartungshaltung bei Menschen die uns nicht kennen und nichts über uns wissen, weil sie uns zum Beispiel gerade im Bus getroffen haben, hundertprozentig verstehen und verzeihen, kein Problem. (Ich kann ihnen auch verzeihen sich daneben uns darüber auszulassen, dass wir ja überhaupt kein chinesisch können und nur englisch sprechen und so...das ist schon echt urkomisch!)

Bei Leuten, die uns aber schon seit mindestens 7 Monaten, bzw 4 Jahren (vom Austausch) kennen ist das schon echt frustrierend.

Wenn sie also absolut überrascht sind, dass wir

-chinesisch sprechen

-selbst Essen in der Mensa bestellen können

-Gespräche zwischen ihnen und ihren Eltern verstehen

-Chinesisch schreiben und lesen

-alleine mit dem Bus fahren

-einkaufen

-...(noch mehr alltägliche, selbstverständliche Dinge)

wissen wir oft einfach nicht ob wir darüber lachen oder weinen sollen. Unsere Freunde und Bekannten sollten es doch eigentlich besser wissen, und uns nicht für die ignoranten Ausländer halten.

Meistens entscheiden wir uns dann aber doch fürs Lachen!

 

 

 

米线节 - Ein Reisnudelfest

22März2016

 In China gilt eindeutig der Spruch "Feste feiern wie sie fallen". Alle naselang gibt es wieder irgendein Fest was mit viel Essen begangen werden muss...darüber kann mich sich nun echt nicht beschweren! Und manchmal gibt es sogar Feste für bestimmtes Essen, wie letztes Wochenende, da war nämlich Mixian Jie (米线节) - das Reisnudelfest!

Reisnudeln sind eine Spezialität in Yunnan, und besonders in Yuxi: Eigentlich sehen sie aus wie weiße Spaghetti und werden aus Reis(mehl?) gemacht...sie schmecken also selbst nicht wirklich nach viel und sind etwas weniger elastisch als normale Nudeln. Und ich liebe sie!

Meistens isst man Reisnudeln mit Brühe, Fleisch, viel Chili, Frühlingszwiebeln (manchmal Minze), Essig und Sojasoße. Normalerweise bestellt man sich eine bestimmte Art von Brühe und Fleisch und hat dann auf einem Tischchen diverse Zutaten, die man sich in seine Schüssel schaufeln kann. Dann gibt es noch gebratene Reisnudeln - mit fast den gleichen Zutaten, nur die Suppe fällt natürlich weg oder gebackene Reisnudeln, die in Alufolie eingepackt auf einem Grill gelegt werden. Bei warmen Wetter isst man außerdem gerne kalte Reisnudeln in scharf-süß-saurer Suppe mit Erbsentofu, die es nur in dieser Ecke Chinas gibt. Und es gibt Guo Qiao Reisnudeln (过桥米线), wörtlich übersetzt Über-die-Brücke-Reisnudeln, welche eine Spezialität in Yuxi sind.

Laut einer Erzählung gab es einen jungen Gelehrten, der jeden Tag auf einer kleinen Insel für seine staatliche Prüfung lernte. Seine Frau brachte ihm jeden Mittag Reisnudelsuppe in einer Schüssel, aber immer wenn sie die lange Brücke zur Insel überquert hatte, waren die Nudeln schon längst kalt. Eines Tages beschloss sie deshalb eine andere Methode zur Transportion der Reisnudelsuppe zu wählen. Sie füllte kochend heiße Brühe in einen dicken Topf mit Deckel und packte die Zutaten für die Suppe in einen anderen Behälter. So konnte sie die Brücke überqueren und vor Ort eine warme Suppe zusammen rühren.

Bestellt man in einem Restaurant Guo Qiao Reisnudeln bekommt man auch eine Schüssel mit brühheißer Brühe und mehrere Tellerchen mit Gemüse, Wachteleiern, Fleisch (unter anderem auch Kehle, Magen und Darm) und natürlich Reisnudeln, was man sich dann alles in seine Schüssel schmeißen kann. Auch sehr lecker!

Wie man also sieht sind die Yuxier absolut reisnudelverliebt und haben deshalb natürlich auch ein Fest erfunden an dem man die Reisnudeln ehrt...indem man tüchtig Reisnudeln isst!

Alle Dörfer haben ihren eigenen Termin fürs Reisnudelfest - wir wurden am letzten Samstag von unserer Lehrerin in ihr Heimatdorf eingeladen um dort das Reisnudelfest zu feiern.

In einer Halle hatten die Leute vor Ort viele Tische aufgebaut und mit Essen und Getränken bestückt. Dann wurdem einem große Schüsseln voller Reisnudeln gegeben, von denen sich alle Leute am Tisch nehmen konnten. Genial!

Das Essen an sich hat aber eigentlich gar nicht so lange gedauert, deshalb wurde danach spontan beschlossen Erdbeerpflücken zu gehen. Denn Erdbeerzeit ist hier in Yuxi eigentlich d´fast das ganze Jahr lang! Auf den Feldern kosten 500g 10元, also ungefähr 1,50€. Essen darf man beim Pflücken aber nicht. Und hinterher riecht man wie ein Räucherfisch, denn auf den Feldern werden Feuer angezündet um Insekten zu vertreiben. Dier Erdbeeren schmeckten aber super lecker und süß, und das ist ja die Hauptsache!

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